Logo Diogenes Verlag
Anton Cechov  |  Ein unnötiger Sieg  |  Hardcover Leinen, 368 Seiten | € (D) 20.90 / sFr 36.90* / € (A) 21.50

Hardcover Leinen, 368 Seiten
Erschienen in Dez. 2000

ISBN 978-3-257-06258-8
(D) 20.90 / (A) 21.50
sFr 36.90*
* unverb. Preisempfehlung

LeseprobeMerken Platzhalter Okay-Icon Drucken

Anton Cechov
Ein unnötiger Sieg

Frühe Novellen und Kleine Romane
Aus dem Russischen von Peter Urban und Beate Rausch

Der Band widerlegt die liebgewordene Legende, Cechov habe zuerst humoristische Kurzgeschichten geschrieben und sich erst allmählich an die große Form (z.B. ›Die Steppe‹, ›Das Duell‹) herangeschrieben – Cechovs früheste Erzählungen sind große Werke im doppelten Sinn des Wortes.

Mehr zum Inhalt

Selbst der Kenner Anton Cechovs wird in den vorliegenden frühen Texten einem nahezu unbekannten Cechov begegnen – einem witzigen und wortgewandten Gesellschaftskritiker. Zielscheibe seiner Kritik sind die verkommene russische Adelsgesellschaft und ihre verlogenen Sitten in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, die große Kluft zwischen dem unverdienten Luxus der Herrschenden und dem armseligen Leben der ehemals Leibeigenen, die sich aus der Rolle der Unterdrückten auch nach Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 nicht befreien konnten. Cechov, der diese himmelschreiende Ungerechtigkeit in seiner Kindheit am eigenen Leibe schmerzlich erfahren musste, verurteilt sie in diesen frühen Texten schärfer und heftiger als später. Der Leser lernt den jungen, erst 22-jährigen Cechov kennen, dessen Erzählstil erstaunlicherweise bereits völlig ausgereift ist. Mit Vergnügen liest sich, wie souverän der junge Autor mit den Romanklischees seiner Zeit spielt und sie gekonnt parodiert – immer mit einem sarkastisch-ironischen Unterton.

StimmenAlle anzeigen

»Cechov stemmte sich von früh auf mit Kraft und Verspieltheit gegen die Tristesse seiner Umgebung. Er hielt auf Würde in einer Welt der Niedertracht. Er sprach von der Brutalität seiner Umgebung und setzte ihr Zartheit entgegen. Er tat das im Leben, und er tat es, wie dieser Band zeigt, auch in seinen frühen Geschichten.«Tages-Anzeiger

»Worin genau besteht der Cechov-Ton? Es hat etwas mit der Wortstellung zu tun, mit einer kargen, beinahe kantigen Melodei, mit etwas, das abrupt ist, beinahe unbeholfen, und doch sehr schön ... Also, davon kann es keinen Satz zuviel geben! Es gibt zwei kurze Romane in der Sammlung, die von Cechov wenig verraten als die frühe Virtuosität eines Genies, das einfach nicht alles verderben kann, selbst wenn der Stoff, die Durchführung, die Pointe Durchschnitt sind. Aber das andere! Das andere ist reiner, bester Cechov, erster Aufguß oder auch allererste Sahne, und es ist alles da: die Kürze und die Eleganz, die trockenen Dialoge, der tiefe und ›zutiefst menschliche‹ Witz, die leise, permanente Ironie, die niemals auf die Nerven fällt, weil sie nicht Pose ist, nicht Paravant vor der Verachtung, sondern Belustigung, welche auch die des Selbst mit einschließt. Wir erleben außerdem noch eine Überraschung: nämlich deutlich zu lesen, daß der jetzige Klassiker Cechov auch einen väterlichen Anteil hat an jenen Formen der russischen Literatur, die wir als Avantgarde kennen. Sein skurriler Humor, seine stilistische Kühnheit, seine Aus- und Einfälle ins Abstruse, Abgründige, leiten direkt zu Daniil Charms et alii.«Die Taz

»Alle Merkmale seiner reifen Prosa zeigen sich schon. Die Sprache ist genau, die Sätze sind musikalisch komponiert, und das Erzähltempo in Dialog und Beschreibung reißt mit. Dieses Buch ist ein Verdienst des Herausgebers und ein Gewinn für jeden Leser.«Norddeutscher Rundfunk

»Das Vergnügen, das man beim Lesen haben wird, ist zum Teil der frühen Meisterschaft des Zweiundzwanzigjährigen zu danken. Man könnte den Band auch als Ouvertüre zu seinen späteren Werken lesen. Die entscheidenden Grundthemen sind da (die vergebliche Suche nach Sinn und Erfüllung zwischen Langeweile und Aktivität), viele Figurentypen und -konstellationen finden sich, vor allem aber ist bereits der unverwechselbare Cechov-Stil erkennbar, der sich in den folgenden Jahren vertiefen wird. Das allein wäre schon Bereicherung genug. Doch es scheint zu Beginn der achtziger Jahre noch einen anderen Cechov gegeben zu haben, einen Stimmenimitator, der mit traumwandlerischer Sicherheit mit Stilen und Genres spielte und möglicherweise ein Anknüpfungspunkt für eine Tradition war, die man bisher zumindest in Deutschland nicht mit ihm in Verbindung brachte. Wie lobt man ein Genie?«Frankfurter Allgemeine Zeitung

Lesezeichen / Weitersagenschliessen